Allgäu Triathlon 2021 Classic

748 Tage – das war das Zeitfenster zwischen meinem Start beim Allgäu Triathlon 2021 und dem Frankfurt City Triathlon 2019. Entsprechend groß war die Vorfreude, aber auch der Respekt vor der Distanz und meinem ersten offiziellen Wettkampf 2021. Geplant war diese Halbdistanz schon 2020, aber aus bekannten Gründen wurde die, genau wie viele andere Sportveranstaltungen auch, abgesagt und auf 2021 verschoben.

Freitag – Das Training war in den letzten Monaten für alle nicht ganz einfach. Ich war in diesem Jahr 1621km Laufen und 3141km Rad fahren, aber Schwimmtraining war erst seit Juni wieder im Freiwasser möglich. Mit den 22 Schwimmtrainingskilometern die ich in diesem Jahr schwimmen war, war ich nicht sicher, wie das ausgeht. Entsprechend unsicher fuhr ich am Freitag nach Bühl am Alpsee.

Das Hotel war gut gewählt – ca. 300m Luftlinie von der Wechselzone entfernt waren kurze Wege möglich.

Wir waren zeitig da und ich konnte noch am Freitagabend meine Startunterlagen abholen, mir das Startareal angucken und auch kurz in den Großen Alpsee springen.

Samstag – Nach dem Frühstück war Zeit die Radstrecke abzufahren und mich mental auf die 650HM pro Runde und die Abfahrten einzustellen. Im Anschluß war ich dann noch ein Stück auf der Laufstrecke unterwegs und hab mir den Anstieg auf dem Kuhsteig angesehen. Dort ist ein paar Stunden vorher noch eine Kuhherde zur Weide hochgetrieben worden. Entsprechend sah der Weg auch aus und hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Der Bauer war grad dabei den aufgeweichten Boden mit Splitt auf zufüllen und die Strecke neu zu preparieren. Ob das hilft, werde ich am nächsten Tag sehen.

Am Nachmittag einchecken der Räder in der Wechselzone und am Abend gibt`s die Wettkampfbesprechung online im Netz.

Wir lassen den Tag bei einem gemütlichen Essen und dem obligatorischen Glas Rotwein ausklingen und ich lieg gegen 23Uhr im Bett.

Sonntag – Die Nacht war kurz und gegen 5Uhr werden wir durch dumpfes Grollen und heftigen Blitzen geweckt. Der Wetterbericht hatte für den Sonntagvormittag Gewitter vorhergesagt, allerdings erst für 10Uhr. Es kommt ein heftiger Sturm auf und ein Unwetter zieht über den See. Von weitem habe ich den Eindruck, dass in der Wechselzone einiges durch die Gegend fliegt. Mir kommen Zweifel, ob die Kampfrichter bei dieser Wettervorhersage den Start frei geben werden.

Nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und die Veranstalter geben über die sozialen Medien und per e-mail Entwarnung. Die Wechselzone ist zwar etwas durchgeblasen worden, aber außer ein paar Bannern und einem Zelt ist alles stehen geblieben. Der Wetterbericht sagt plötzlich, dass es zwar regnen, aber keine Unwetter mehr geben soll … und es regnet – heftig.

Ich überlege kurz den Neo schon im Hotel anzuziehen, lass das dann aber. Die 500m zur Wechselzone reichen allerdings, um nass bis auf die Haut zu sein. Also stopfe ich in der Wechselzone meine nassen Sachen, die ich nach dem Zieleinlauf anziehen wollte in den „Trockenbeutel“, der im Zielbereich abzugeben ist und zieh doch schon den Neo an.

Angekommen im Startbereich startet schon die erste Welle und im Abstand von jeweils 10Minuten alle anderen. Ich starte in der letzten Welle der Classic Distanz zusammen mit den Staffeln. Der Große Alpsee ist vom Unwetter am Morgen sehr aufgewühlt und die Wellen kommen für mich von der falschen Seite. Auch die Bojen müssen wir rechts liegen lassen, was für mich eine Herausforderung ist, da die linke Seite nur meine „gute“ Seite zum Atmen ist und ich meine „bessere“ Seite deshalb nicht nutzen kann. Bis zur ersten Boje habe ich mich drauf eingestellt und merke, wie ich langsam in meinen Schwimmmodus komme. Der Schwimmausstieg kommt immer näher, und nach offiziellen 41:03 Minuten – und laut meiner Uhr 2,180km – verlasse ich den Großen Alpsee. Die Sonne kommt raus, was ich mal als gutes Omen gewertet habe – das war’s dann auch 😊

Der lange Weg (ca. 600m) zur Wechselzone führte über ein Stück Wiese, ein Stück Asphaltstraße und nochmal einer aufgeweichten Allgäuer Wiese. Ich habe gelernt, dass es sinnvoller ist, dem Kreislauf nach dem Schwimmen Zeit zu geben sich von der Waagerechten in die Senkrechte zu orientieren. Darum gehe ich langsam zu meinem Rad und lass mich auch nicht aus der Ruhe bringen, dass nicht mehr so viele Räder in der Wechselzone stehen. Die erste Startwelle ist 30 Minuten vor mir gestartet, deshalb kann ich nicht erwarten dass die Wechselzone noch voll ist 😊

Neo ausziehen, Helm auf, Startnummer um die Hüfte, Rad schnappen und langsam – der Regen und gut 900 Triathleten vor mir haben die Wiese zu einer Matschpiste werden lassen – aus der Wechselzone schieben. Ich habe der Sonne vertraut und die Regenjacke nicht angezogen, was sich als gute Entscheidung herausstellen sollte.

Die Straßen sind nass, es geht bergab nach Immenstadt und nach ein paar 90° Kurven rein in den Kalvarienberg, dem ersten Anstieg. Die Gesamtstrecke hat 1300HM und die wollen bewältigt sein. Bei den zwei jeweils zwei Anstiegen pro Runde zum Kalvarienberg (ca. 18% Steigung) und Ettensberg kommt mir mein Bergtraining in Dresden zugute.

Nach dem Klettern müssen wir natürlich auch wieder runter vom Berg und die Abfahrten haben es in sich. Die Straßen sind nass vom Regen und es ist Überholverbot angesagt. Das heißt sensibel bremsen, das Windschattenverbot einhalten und nicht übermütig werden. Es bleibt wenig Zeit um einen Blick auf das Allgäu Panorama zu werfen – jeder Fahrfehler hat da harte Konsequenzen.

Ich bin für meine Verhältnisse gut durchgekommen und stand nach 3:30h wieder in der Wechselzone. Der Boden dort ist nicht besser geworden und so war wieder Aufmerksamkeit gefragt, um keine Rutschpartie zu veranstalten.

Rad abstellen und Laufschuhe anziehen ist mittlerweile Routine. Mein Plan war konstant eine Pace um die 6:00Minuten zu laufen und auf dem letzten 2-3km vielleicht noch ein bissel Gas zu geben. Die Laufstrecke führt ca. 8km flach am Seeufer entlang und wieder zurück. Bei km 14 kommt mit dem Kuhsteig das Highlight der Laufstrecke. Der war ja schon am Samstag durch den Kuhauftrieb eine Herausforderung. Nach dem Regen am Sonntagmorgen und nachdem die Sprint-, Olympic und Classic Teilnehmer da schon hoch sind sah er nicht besser aus. Auch wenn die RedBull Motivatoren unbedingt einen Bergsprint sehen wollten, habe ich mich auf keine Diskussionen eingelassen und bin den Anstieg hochgegangen. Oben angekommen führte die Strecke in einer kleinen Schleife bergab zum Kleinen Alpsee und wieder zurück nach Bühl.

Auf den letzten Metern ging`s im ZickZack Kurs durch den Hafen und mit einem breiten Grinsen im Gesicht bin ich durch die Zielgasse in’s Ziel gelaufen.

In den Ergebnislisten steht eine Zeit von 6:22:23h und ein dritter Platz in der AK.

Fazit – der Allgäu Triathlon trägt zurecht den Beinamen „Kult seit 1983“. Die Organisation war super professionell, die Stimmung an der Strecke und im Ziel war – trotz Corona und Masken – grandios und es hat sehr viel Spaß gemacht 😊

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Über diesen Lauf und meine anderen Wettkämpfe vm Ultralauf bis zum Ironman erzähle ich gern in einem Vortrag. Dabei gebe ich auf sympathische und kompetente Weise einen Einblick in den Alltag eines ambitionierten Sportlers, Trainers und Organisators von Sportveranstaltungen. Spanne einen Bogen in das tägliche Arbeitsleben und gehe auf die Themen Zeitmanagement, Selbstorganisation, Motivation und “work life balance” ein. Für einen Termin schickt mir bitte einfach eine Anfrage über das Kontaktformular

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